... wir haben sie gefunden - also was die Backpacker-Hostels angeht jedenfalls. Wir sind in Ulan Ude. Der Hauptstadt der autonomen Republik Burjatien. Immerhin sind hier ein Viertel der Leute Burjaten, europaeische Gesichter sieht man jedenfalls deutlich weniger als asiatische. Und wie sind sie so, die Burjaten in Burjatien? Nett! Allein gestern hat man uns vier mal spontan gefragt, ob wir Hilfe brauchen, auf Englisch und sogar auf Deutsch. Eine Horde Dreizehnjaehriger hat ihr Englisch bei uns ausprobiert und sogar zwei reichlich heitere Zeitgenossen wollten, dass wir ein Foto von ihnen machen. Mehrere Leute kramen ihr Schuldeutsch hervor und versuchen, mit uns Deutsch zu sprechen. Einer bei dem wir erst nicht sicher sind, ob wir uns von ihm den Weg zeigen lassen wollen, erzaehlt uns, dass er sich Texte von Rammstein (deutscher Hard Rock) uebersetzt ... er verabschiedet sich mit "deutsch - akkuratnui!" ... seine Hand zeigt an "voll akkurat Alter" ...
Wir sind eine Tagesreise von Irkutsk weg und man laechelt!!! Es gibt Kinder! Viele! Spielplaetze an jeder Ecke und gelassene Erwachsene, die ihren Kindern zuschauen. Wir fuehlen uns wunderbar. Die Sonne scheint immer noch jeden Tag (soll aber Mitte naechster Woche deutlich kaelter werden, auch in der Mongolei), Clemens findet inzwischen sehr schnell Anschluss auf den Spielplaetzen. Sand schaufeln und Zeug auf der Rutsche runterrutschen lassen, zusammen lachen und schon ist man eine Tinte.
Jasper ist gewachsen. Wir haben keine Ahnung, was er wiegt, aber er wiegt ganz schoen. Voellig rund und ausgeglichen, gibt weiterhin den Herzenbrecher, ruft viel Freude hervor. Gestern ist er 6 Monate geworden, kann die Flasche alleine halten, sabbert wie ein Weltmeister, aber noch kein Zahn und will schon immer mitessen, aber spuckt dann doch alles andere als Milch wieder aus.
Aber zur Perle Sibiriens - also wir haben die Perle der Backpacker-Hostels in Sibirien gefunden. Gebaut als Blockhausanbau an der Doppelhaushaelfte, eingerichtet von einer 4er Familie - Tochter und Sohn studieren in der Stadt, alle vier sprechen gut Englisch und sind als Familie gereist, als die Kinder so klein waren wie unsere. Die Einrichtung ist einfach, die Preise vernuenftig und alles da, was man braucht - als Wandergruppe oder als Familie, inklusive (verstimmtem) Klavier und (wenn auch sehr langsamem) Computer ohne Aufpreis. Waschmaschine, Kueche inklusive den Dingen, die man nicht immer mit sich rumschleppen will. Wunderbar! Wir haben schon gleich mal zwei Tage vor allem ausgeschlafen und das haeusliche Gefuehl genossen.
Im Regal steht "Archipel Gulag" von Solschenizyn, der Huettenwart ist buerger- und umweltbewegt und man merkt, dass man gar nicht anfangen kann zu erzaehlen, wieviel brach liegt in diesem Land und was man anpacken muesste. Sein Projekt ist es, die Region Baikal-Transbaikalien erwanderbar zu machen, Wege anzulegen, Huetten zu errichten, Begegnungen mit Natur und Menschen moeglich zu machen, und das mit Geld von Stiftern, wenigstens 2 Millionen Euro will er auftreiben. Die erste Runde Foerderung kam von US-AID (amerikanische Entwicklungsorganisation). Faszinierende Einblicke in ein wieder anderes Russland - vielleicht eines, das uns gefehlt hat bisher.
Wir sind soweit, der Zug nach Ulan Bator geht morgen mittag und ein Ticket haben wir auch. Diesmal wieder im eigenen Viererabteil. Grossraumwagen mit zwei Hunden in der Kiste unter der Bank und aus der Schuessel schwappendem Hundefutter war dann doch was viel fuer Clemens und Sabine ... obwohl sich auch das zurechtschob nach ein paar Stunden ... als Entschaedigung haben wir uns fuenf Nachtische mit Limonade, Tee und zwei Kaffee gegoennt, immerhin war der Speisewagen leer, gelueftet und das Zugradio war still ... morgen jedenfalls wieder Viererabteil.
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