Gut, das ist ein Ansatz - die Russen rauchen. Im Zug gluecklicherweise nur in den dafuer vorgesehenen Raeumen zwischen den Waggons. Aber wenn dort nur genug Leute rauchen und man in einem Abteil gleich hinter der Raucherzone faehrt, kriegt man reichlich davon ab. Mit etwas Pech mischt sich das mit den Toilettengeruechen, eine feine Mischung....
Die Transsib ist ein Abenteuer, eine optisches, akustisches und olfaktorisches Erlebnis, aber auch eine ganz gewoehnliche Bahn. Was uns positiv ueberrascht hat: Hier fahren vor allem ganz normale Leute mit ganz normalen Reisegruenden mit, auch Familien mit Kindern. Meistens gab es im gleichen Waggon ein bis zwei Kinder im gleichen Alter wie Clemens, mit denen er sich schnell angefreundet hat. Das war eine grosse Erleichterung fuer uns und die anderen Eltern, denn so waren dann meist die Kinder miteinander entweder in unserem oder dem anderen Abteil. Am liebsten aber im Gang, rumrennen, Bonbons von anderen Passagieren einsammeln und Unsinn anstellen. Aber ja, es gab auch Langeweile, kein Wunder bei zweieinhalb Tagen im Zug... Das war unsere laengste Strecke, von Ekaterinburg bis Irkutsk. Vorher zweimal ca. 27 Stunden, Berlin-Moskau und Moskau-Ekaterinburg.
Also wie ist das Leben im Zug?Die Zeit verfliegt wie im Zug... Allein das Organisieren von Essen, Schlafen, Stillen, Wickeln, Spass haben, Clemens davon abhalten, den Zug auseinander zu nehmen, sich ueber die Orte zu informieren, an denen man vorbeikommt (welcher Fluss war das?), benoetigt fast alle Zeit. Schreiben ist quasi unmoeglich bei dem Gewackel.
Im Einzelnen: Essen: Eigentlich die ganze Zeit, mitgebrachtes und an den Bahnhoefen gekauftes. Hin und wieder haelt der Zug laenger. Dann kann man aussteigen und bei Einheimischen Selbstgekochtes oder Nippes kaufen. Manchmal auch ein Eis... Der Speisewagen ist sehr teuer und sehr gut, also selten besucht, abends eher Bier- und Wodkakneipe.
Schlafen: Zweimal zwei Betten uebereinander, auf die Kunstledersitze legt man eine dicke Matte, Bettwaesche, Decken und Handtuecher werden gestellt und waren sauber. Das Wackeln hat vor allem Jasper erst sehr gestresst, letztlich hat er sich daran gewoehnt und in seiner vierten Nacht im Zug hatte er ein Bett fuer sich und hat 12 Stunden durchgeschlafen. Clemens sowieso.
Und manchmal war sogar Zeit, aus dem Fenster zu schauen und sibirische Landschaft zu meditieren.... In seiner Eintoenigkeit aber sehr schoen. Und der September ist eine fantastische Reisezeit, vor allem wenn man so viel blauen Himmel hat. Ausser Millionen von Birken und Kiefern gibt es hin und wieder ein Dorf - 100 Holzhaeuser, eine Zementfabrik, eine Saegerei, ein Bahnuebergang - Fabriken mit unglaublich schwarzem Rauch, sanfte Huegel. Was es alles nicht gibt: Kuehe, Felder, Windraeder.
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